Bepflanzte Wände-vertikale Gärten

Foto:fug-verlag

Vertikale Gärten sind kreative Antworten auf das um sich greifende Bedürfnis der Menschen nach Grün und Natur bei gleichzeitigem Platzmangel im ebenerdigen Bereich.
Wo sich sonst nur Kletter- und Schlingpflanzen ausbreiten, werden ganze Gartenbereiche in die Senkrechte gebracht.


Foto:newwork-newculture
Erdbeertöpfe oder Kräutertöpfe sind nur die kleine Version eines ganzen Gemüsegartens, der platzsparend in die Vertikale wandert, aber auch, wie in manch´einer professionellen Gewächshauskultur, wesentlich mehr Ertrag auf kleiner Grundfläche erbringt.
So können auch Nicht- Gartenbesitzer auf ihrem Balkon pflegeleicht eigenen Salat, Kohl, Zucchini u.v.m. für eine Saison anbauen und Blumenliebhaber sind ebenfalls nicht mehr auf ihre Töpfe und Kästen beschränkt.
Angepflanzte Sicht- und Lärmschutzwände erhalten einen wesentlich interessanteren Charakter als die üblichen Lösungen aus Holz oder Kunststoff, die von Kletterpflanzen begrünt werden.

Hotel Lafayete, Berlin

MIt der Begrünung von Hauswänden in Form eines vertikalen Gartens werden Pflanzen und Natur auf eine begeisternde Art und Weise in die Architektur moderner Gebäude einbezogen. Gerade in Städten mit beschränkten Grünflächen sind vertikale Gärten die Lösung für mehr Grün in der Stadt.
Sie nutzten den Menschen in der Stadt in jeder Hinsicht. Die Filterung der Luft von Abgasen und CO² , die Abgabe von Sauerstoff, eine Erhöhung der Luftfeuchte und Kühlung der Luft im Sommer, sowie einer gewissen Isolierung der Gebäude vor Wärme und Kälte sind offensichtlich. Dazu kommt das Gefühl der Menschen sich nicht in einer Stein- und Betonwüste zu bewegen, sondern in der Natur. Die Wände dienen nicht nur den Pflanzen als Lebensraum, Vögel und Insekten finden dort Nist- und Futterplätze.

Die vertikalen Gärten sind nicht nur auf den Außenbereich beschränkt. Auch in einem Gebäude kommt eine bepflanzte Wand dem Bedürfnis seiner Bewohner nach mehr Natur entgegen. Eine Verbesserung des Raumklimas durch die höhere Luftfeuchte und eine Filterung der Luft sind bekannte und gewünschte Auswirkungen einer Innenraumbegrünung. Bepflanzte Wände sorgen durch das beruhigende Grün der Pflanzen für mehr Wohlgefühl bei den Menschen.



Systeme für Pflanzbeete in der Senkrechten

Es gibt die unterschiedlichsten Möglichkeiten einen vertikalen Garten zu schaffen. Der Gedanke dabei ist, dass das Pflanzsubstrat (Erden, Moos-Torfgemisch, Substrate aus der Hydrokultur, Vliese) den Pflanzen an einer senkrechten Wand Halt gibt und sie optimal mit Wasser und Nährstoffen versorgt.
Je nach Anbieter werden bei Erdmischungen hochwertige mit Kompost oder Langzeitdüngern aufgewertete strukturstabile Erden verwendet.
Bei Moos-Torfgemischen, Hydrokultursubstraten und Vliesen ohne Nährstoffgehalt werden die Pflanzen über die Bewässerung mit Nährstoffen versorgt.
Die Wasserversorgung erfolgt je nach System manuell mit der Gießkanne oder Schläuchen alle paar Wochen -oder automatisch über einen Bewässerungskreislauf. Mit Vliesen und Dochten im oder hinter dem Substrat wird für eine gleichmäßige Verteilung des Wassers für alle Pflanzen gesorgt.

Foto:Detail, Sharp and Diamond Damit nun der vertikale Garten senkrecht in die Höhe gehen kann, werden verschiedene Konstruktionen verwendet. Einfache Möglichkeiten sind z.B. sogenannte Erdbeertöpfe, ein größeres Gefäß mit kleineren leicht bauchig vorgezogenen Öffnungen an den Topfseiten, oder große- mit Pflanzlöchern versehene und mit Erde gefüllte –PVC-Rohre. Bewässerungsblumenkästen, die in mehreren Reihen übereinander an einer Wand befestigt sind, können bereits eine ganze Hauswand begrünen.

Wenn man ein ganzes Pflanzenbeet an die Wand bringen möchte, wird der Aufwand größer.Bei hohen oder langen Wänden wird eine haltbare Stahlrahmenkonstruktion als Halt für die Anpflanzungen verwendet. In den Stahlrahmen werden je nach Anbieter im Gartenbau übliche doppelt gelegte verrottungsfeste Vliese oder Matten aus Steinwolle verwendet. In diese werden dann die Pflanzen in Schlitze gesteckt und befestigt. Eine andere Möglichkeit ist es, die Pflanzen in speziellen PVC-Kästen auf Steinwolle vorzuziehen und sie dann in den Stahlrahmen einzuhängen. Zum Schutz der Wände vor Feuchtigkeit muss hinter der Pflanzfläche eine wasserdichte Folie und eine Wurzelsperre angebracht werden.

Foto:flowall


Wiederum eine weitere Möglichkeit besteht aus vorgefertigten Pflanzwänden mit Pflanzbuchten, die direkt an der Wand befestigt werden oder mobil als Raumtrennung dienen. Meist werden diese mit einem wasserspeichernden Substrat befüllt. Kleinere Beispiele dieses Systems können auch wie Gemälde an der Wand wirken, zumal manche Hersteller passende Rahmen dazu anbieten.





Pflanzenauswahl

Foto:90degreen
Jeder der einen Vertikalen Garten an einer Wand zum ersten mal sieht, ist erstaunt und begeistert. Egal ob er vor einer Fläche mit nur einer Pflanzensorte steht oder vor einem abwechslungsreichen "Bildbeet". Allein dass Pflanzen auf Augenhöhe- oder darüber- auf einer Pflanzfläche wachsen, fasziniert den Betrachter.
Je nach Standort müssen die Pflanzen wie in einem normalen Garten draussen oder wie für eine Innenraumbegrünung im Gebäude ausgewählt werden. Prinzipiell ist alles möglich und beruht auf der Erfahrung des Gärtners. Bei mehrstöckigen Gebäudewänden muss dabei nicht nur die Himmelsrichtung, sondern auch die Höhe der Wände berücksichtigt werden. Die Lichtverhältnisse und Temperaturen ändern sich vom Sockel eines Gebäudes bis zum Dach. Bei einer Innenraumbegrünung müssen die Pflanzflächen eventuell mit Pflanzenlampen ausgeleuchet werden.

Pflege

Die Pflege der vertikalen Gärten ist nicht aufwendiger als im ebenerdigen Garten und richtet sich nach der Art der Anpflanzung. Unkraut in der Pflanzfläche ist eher gering und wird meist durch Vögel mit eingeschleppt. Ein gelegentlicher Rückschnitt oder das ersetzen von eingegangenen Pflanzen ist von Zeit zu Zeit nötig. Bei geschlossenen Wasserkreisläufen wird verdunstete Flüssigkeit alle paar Wochen mit Nährlösung ersetzt. Andere Systeme sind meist mit einem Wasserspeicher ausgestattet und müssen ebenfalls nur einmal wöchentlich oder im Abstand mehrerer Wochen gegossen werden.

Fazit

Foto:Rue d´Alsace, Paris, Patric blanc
Auch wenn der Aufwand einen Vertikalen Garten anzulegen deutlich höher ist als einen ebenerdigen Garten, lohnt sich das Ergebnis.
Patric Blanc, der Pionier in Frankreich, ist seit über 20 Jahren erfolgreich in der Entwicklung der vertikalen Gärten tätig. Er hat schon unzählige Wände angepflanzt und das System im Laufe der Zeit immer mehr verbessert. In Paris sieht man vertikale Gärten als eine geeignete Lösung für die Verbesserung des städtischen Klimas. Dort sind bereits zahlreiche Gebäude auf diese Weise begrünt worden. In Deutschland wird für 2014 eine 1,3 kilometerlange bepflanzte Wand an der nordwestlichen Außenseite des Palmengratens in Frankfurt geplant. Sie soll der längste vertikale Garten der Welt werden und mit Hilfe von Spenden finanziert werden.
Inzwischen gibt es verschiedene Systeme,sowohl Higtech mit aufwendigen Trägerkonstrukionen und automatischer Bewässerung, als auch einfach gedeihende Pflanzwände.
Scheint in der Architektur der Einbezug von Natur oft gezwungen und zu Lasten der Pflanzen zugehen, können sich mit vertikalen Gärten völlig neue begeisternde Verbindungen beider Bereiche entwickeln. Das Bedürfnis der Menschen nach Natur und Grün wird die vertikalen Gärten als Trend der Zukunft wachsen lassen.


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